Pressemitteilung vom 24.09.2015

Was ist der „Königsweg“ für psychisch Kranke zurück in den Job?

Dass psychisch kranke Menschen trotz vorhandener Leistungsfähigkeit in geradezu skandalöser Weise vom allgemeinen Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind – darauf machten der ehemalige Berliner Gesundheitssenator Ulf Fink und die DGPPN (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde) auf einer Fachveranstaltung "Schwer psychisch krank und in Arbeit", die am 14.09.2015 in Berlin stattfand, zu Recht aufmerksam. Dass wir diese Menschen angesichts der demographischen Entwicklung auch auf dem Arbeitsmarkt dringend benötigen, erkennt inzwischen auch mancher Arbeitgeber. Insofern ist den Veranstaltern in mehrfacher Hinsicht zu danken, dass sie diese Thematik aufgegriffen haben.

Welche Wege für den einzelnen Betroffenen zum Ziel einer Wiedereingliederung führen, ist nicht immer leicht zu beantworten und zu entscheiden. Zwei Grundmodelle beherrschen die Diskussion: soll man psychisch Kranke nach Ende der akuten Erkrankung direkt an einem Arbeitsplatz integrieren und durch einen sogenannten „JobCoach“ begleiten, oder soll man sie zunächst mit speziellen Förder- und Trainingsmaßnahmen hierauf vorbereiten?

Aufgrund von Studien aus dem anglo-amerikanischen Raum und der Schweiz betonen einige der Referenten die Überlegenheit einer sofortigen Arbeitsaufnahme. Hierzu sind jedoch einige Punkte anzumerken:

Anzuzweifeln ist zunächst die Übertragbarkeit der Ergebnisse aus anderen Ländern mit stark abweichenden Sozialsystemen und Arbeitsmarktbedingungen. Nicht berücksichtigt ist außerdem die Frage, was mit denjenigen geschieht, die keinen Arbeitsplatz mehr haben, und das sind 80 – 90 % der Betroffenen. Auch ist festzuhalten, dass nicht jeder psychisch Kranke, der wieder arbeiten will, hierzu sofort in der Lage ist, selbst, wenn er intensive Unterstützung am Arbeitsplatz erhält.

Deutschland verfügt über ein breit gefächertes und gut ausgebautes System beruflicher Rehabilitation, um das andere Länder uns beneiden. Hierzu gehören Berufliche Trainingszentren, RPK-Einrichtungen, Berufsförderungswerke, Unterstützte Beschäftigungsangebote, Werkstätten für psychisch Kranke – die Kosten werden von den Rentenversicherungen, Arbeitsagenturen und Jobcentern übernommen. Die Aufgabe besteht darin, für jeden Menschen das passende Angebot zu finden, das ihm bei der Wiedereingliederung erfolgreich unterstützen kann. Es ist zu begrüßen, wenn Angebote des JobCoachings ausgebaut werden, sie könne jedoch nur ein Baustein in einem Gesamtangebot sein. Da Menschen mit psychischen Erkrankungen ganz unterschiedliche Unterstützungsbedürfnisse haben, müssen auch die entsprechenden Angebote vielfältig sein. Nur ein Angebot für „alles“ wäre daher definitiv der falsche Weg.

 

Rolf Limbeck – Dr. Reinald Faß – Heiko Kilian

+49(0)30 944133029

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